SPÖ warnt vor Ärztemangel in Österreich
Wien (SK) - Vor einem Ärztemangel in Österreich warnten Montag in
einer gemeinsamen Pressekonferenz SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef
Broukal, die Vorsitzende der sozialdemokratischen ÄrztInnen, Dr.
Sabine Oberhauser, und der Forscher und Betriebsratsobmann der
Med-Uni Wien, Prof. Dr. Thomas Szekeres. In spätestens zehn Jahren
werden 1.600 ÄrztInnen in Pension gehen, aber es werden nur 806
ausgebildete ÄrztInnen zur Verfügung stehen. Mit einberechnet ist
dabei noch nicht die Tatsache, dass aufgrund der steigenden
Lebenserwartung mehr ärztliche Dienstleistungen benötigt werden. "Das
geht sich nie und nimmer aus", so Broukal. Die SPÖ hat einen Plan für
den Ausbau der Medizin-Universitäten ausgearbeitet und fordert 50
zusätzliche Anfängerplätze an den drei Med-Unis pro Jahr.
Bereits vorige Woche schlug der Verband der österreichischen
Professoren Alarm: Sollten die Studienplätze an der Medizin nicht
erhöht werden, drohe eine Situation wie in Deutschland. In
Deutschland streiken derzeit 22.000 Spitalsärzte; sie fordern bessere
Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung. In Bratislava wurden
wegen streikender Ärzte bereits drei Spitäler zugesperrt.
Auch in Österreich fehlen heute schon mindestens 1.000 zusätzliche
ÄrztInnen, zitierte Oberhauser die Ärztekammer. Noch mehr Bedarf an
ÄrztInnen gebe es, wenn die übrigen acht Bundesländer dem Beispiel
Wiens folgen würden und immer ein Facharzt im Spital anwesend ist. In
acht von zehn Spitälern würden außerdem die Arbeitszeiten nicht
eingehalten. ÄrztInnen müssen in der Regel 72 Wochenstunden arbeiten,
Wochenenddienste dauern bis zu 49 Stunden in einem Stück.
Vorgeschriebene Ruhephasen gebe es immer seltener, so Oberhauser, die
berichtete, dass sich die Ärzte dringend mehr freie Zeit wünschen
würden. Ein Wechsel zu einer verantwortbaren Arbeitszeit sei
unbedingt notwendig. Piloten arbeiten zum Vergleich maximal elf
Stunden, Lokführer maximal 12 Stunden. Wenig Hoffnung gebe auch die
Regierung, die, so Oberhauser, "darauf schielt", die Bereitschaft aus
der Arbeitszeit herauszurechnen, was nichts daran ändert, dass die
Ärzte trotzdem vor Ort sein müssen. Sollte es so weitergehen, drohen
auch in Österreichs Streiks, betonte Oberhauser.
Wie Broukal erklärte, brauche Österreich im Jahr 2015 mindestens
2.300 Medizin-Studienanfängerplätze. Ab diesem Zeitpunkt würden
jährlich etwa 1.600 ÄrztInnen in Pension gehen. Bedenkt man, dass ein
Medizin-Studium inklusive Turnus zehn Jahre dauert und dass es
aufgrund der Medizin-Quote der ÖVP pro Jahr nur 806 ausgebildete
ÄrztInnen geben wird, könne man leicht erkennen, dass sich das nicht
ausgeht. Die 806 Ausgebildeten ergeben sich aus folgender Rechnung:
An der Med-Uni Wien kommen ab dem dritten Semester die 600 Besten
weiter, in Graz sind es 360, in Innsbruck bleiben von 400
Erstsemestrigen nach dem zweiten Semester 280 Studierende übrig -
sind 1.240 und nicht 1.500, wie die Regierung vorgibt. Minus
25-prozentigem Ausländeranteil und 10-prozentiger Drop-Out-Quote
bleiben 806. Diese 806 ÄrztInnen können den Bedarf auf keinen Fall
decken, gibt auch Szekeres zu Bedenken und fügt hinzu, dass der
Bedarf an ärztlichen Dienstleistungen wegen der steigenden
Lebenserwartung noch höher wird.
SPÖ-Plan für den Ausbau der Medizin-Unis
Um diese Lücke zu schließen, schlägt die SPÖ vor, jährlich 50
Anfängerplätze mehr an den drei Med-Unis zur Verfügung zu stellen: In
Wien 25 Plätze, in Innsbruck 13 und in Graz 12 Plätze. Außerdem solle
das "dritte Semester" für Theoriefächer genützt werden, und bisher
ungenützte Ausbildungsplätze sollen aufgeschlossen werden, so der
SPÖ-Wissenschaftssprecher.